PORTFOLIO ARCHIV BOISELLE

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MALLORCAS SCHWARZE PFERDE

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich niemals zuvor etwas von den Mallorquiner Pferden gehört hatte. Mir waren die eleganten, schwarzen Pferde Menorcas ein Begriff, doch die sind nicht verwandt mit den schwarzen Mallorquinern. Da Menorca von den Engländern besetzt war, haben sich dort die Einflüsse des englischen Vollblutes mit der bodenständigen Rasse vermischt. Ganz anders auf Mallorca, hier blieb die Rasse ziemlich unbeeinflusst von importierten Pferden. Wie der Zufall es will, habe ich die robusten Rappen zuerst auf dem Salon du Cheval in Paris gesehen. Voller Neugierde machte ich mich auf der Insel selbst auf die Suche – was gar nicht so einfach war. Wie sich heraus stellte, gibt es nur noch 200 Pferde und davon sind 50 als wirklich reinrassig anzusehen. Zu meiner Überraschung stellte ich außerdem fest, dass ein guter Bekannter, den ich in den letzten Jahren leider nicht mehr gesprochen hatte, zur Retter dieser Rasse geworden war. Don Pedro Salas, ein hundertprozentiger Pferdemann und leiden-schaftlicher Züchter von Andalusiern, hat vor 20 Jahren die letzten Exemplare der Rasse systematisch auf der Insel gesucht und zusammen geführt. Von diesen gerade mal 8-12 Pferden, die er fand stammen heute alle Mallorquiner ab. Eine sehr enge Population, die man heute zu erhalten und zu erweitern sucht. Was ist nun ein Mallorquiner Pferd. Natürlich sind deutliche Einflüsse ehemals spanischer Gene zu finden. Doch das Pferd hat sich auf der Insel gemäß Klima und Nutzung angepasst. Es hat ein trockenes und starkes Fundament, ist ca. 150-155 hoch, hat ein gerades Profil und wache Augen. Die Ohren sollen nicht zu groß sein, die Kruppe fällt leicht ab. Dichtes Langhaar und einen starken Hals. Gute Sattellage weißen fast alle Pferde auf, obwohl sie wohl eher als Zug- und Arbeitspferd eingesetzt worden waren, was zu einer breiten und gut ausgebildeten Brust geführt hat. Ganz deutlich ist zu sehen, dass die jüngeren Tiere größer werden, als ihre Vorfahren, das liegt an der Haltung. Früher mussten die Pferde hart arbeiten und bekamen kaum Kraftfutter. Heute ist es umgekehrt. Man muss schon ganz genau wissen, wo man auf Mallorca die Pferde findet. Wir hatten das Glück auf der Finca Sa Galeta eingeladen zu sein, wo Maria Ventura ihre Pferde züchtet. Der Familie gehört ein Luxushotel, eine restaurierte alte und wundervolle Finca mit über 100 Hektar Land drum herum. Ihr Ehemann Herman hat für die Fotoseminar Gruppe extra ein außergewöhnliches Fotoshooting organisiert und mehrere Hengste organisieren können. Die Pferde wurden mit orginal mallorquinischer Tracht vorgestellt in sehr typischer Umgebung. Doch das Highlight der Reise kam danach. Er brachte uns auf eine Farm mit 500 Hektar, die nicht mehr bewirtschaftet wird. Auf 80 Hektar davon lebt eine mallorquinische Pferdeherde das ganze Jahr über frei und unge-bunden. Sie fressen was der Boden Ihnen bietet. Als wir sie suchten, fanden wir sie bis zur Brust in einem gelben blühenden Rapsfeld vor. Der Hengst und seine 8 Stuten mit Fohlen und Jungstuten waren sehr wachsam und ließen uns nur bis auf eine Distanz von 50 Metern an sich heran. Sie benahmen sich wie Mustangs in den Bergen Wyomings und waren stetig auf der Hut. Für uns alle war dieser Anblick etwas sehr berührendes. Herman erklärte uns, das sie die Pferde hier halten und nicht zufüttern, auch wenn das Futter im Herbst sehr knapp wird, damit die Rasse nicht zu verwässert wird, sondern so robust und abgehärtet bleibt, wie es ihrer Geschichte entspricht. Ich hätte nicht gedacht in Mallorca "halbwilde" Pferde zu finden, die mich so beeindrucken würden.

Ihre Gabriele Boiselle